Rezension zu „Swallowed – Die Entführung der Qualle“

Das Meer ist ein stetiges Auf und Ab. So dachte wahrscheinlich Xavier Wilhelm, als er vor sechs Jahren die Feder ansetzte und irgendwo zwischen Wasser und Sand sein Skript zu Swallowed runterschrieb. Als wäre das Skript wie ein alter Karren in einem tiefen Meeresgraben versunken, schlummerte es die letzten Jahre in einer Schublade.

Doch nach einer langen Ruhe- und Überarbeitungspause tauchen sie auf, die Piraten aus der Tiefsee.

In der Tiefsee, gefangen zwischen Dystopie und Satire, fristet die Menschheit nach einem apokalyptischen Atomkrieg ihr Dasein. Doch zwei Wissenschaftler möchten mit ihrem geheimen Forschungsprojekt mit dem Codenamen „Die Qualle“ einen Hoffnungsschimmer in die Tiefsee bringen. Doch noch bevor ihre Mission so recht in Schwung gekommen ist, werden sie und ihr Forschungsprojekt vom stets besoffenen Piraten-Kapitän Sarku Akula als Geiseln genommen.

Kann das Zufall sein?

Es beginnt eine rasante Reise durch die Tiefsee, in der man durchaus Züge der Welt an der Oberfläche erkennt, und bei der dem Leser mit viel Humor, einem Pinnchen Sarkasmus und einem guten Schuss BloodySeal, die Herausforderungen unserer Zeit vor Augen geführt werden.

Und diese Reise ist so wie ein Gezeiten Auf und Ab. Mal rasant, mal von einer merkwürdigen Ruhe geprägt. Es ist erstaunlich, wie auf schnelle Phasen abrupt langsame Phasen folgen. Das Buch ist wie das Meer, aufbrausend, mal sanft und ruhig, dann wieder stürmisch.

Der Autor nimmt sich Zeit, in die Welt einzuführen, und macht etwas, was nur noch selten vorkommt, etwas, von dem die modernen Interpretationen von Schreibratgebern ab und zu abraten: Er bricht mit der Regel, macht wieder großes Woldbuildigung, lässt dem Skript Zeit. Es gibt eine Vielzahl von Charakteren (mit ihrer eigenen Vergangenheit), eigene Redewendungen, Cocktails und Meeresmonster (die von der Biologin immer fachmännisch erklärt werden). Humorvoll werden viele im Dialog oder ähnlich wie bei den großen Vorbildern des Autors Douglas Adams oder Terry Pratchett in Fußnoten erklärt. Die Haupthandlung ist wie ein guter Meerestank durchflochten von vielen Nebenhandlungen, die unabhängig voneinander existieren. Wie ein Schiff in der See driftet die Haupthandlung manchmal hinfort und weicht einem Nebenstrang, der allerdings mit dieser verwoben ist.

Das Skript braucht ein bisschen, um sich warmzuschwimmen. Doch lässt man sich einmal darauf ein, wird man mit einer sehr facettenreichen anekdotenreichen Tiefseewelt belohnt, die satirisch-sarkastisch ist und einige nette Seitenhiebe zu unserer Welt bereithält.

Und das Ende: Das wollen wir euch zwar nicht an dieser Stelle verraten. Aber zeigt uns unter erhobenen Seehundklatschen nur eines an: Swallowed ist ein Mehrteiler. Das Ende der Tiefseepiraten – es ist noch nicht geschrieben – oder es ist noch versunken in irgendeiner Schublade des Autors.