Irmela Nau „Die Dracheninsel“

Klassische Elemente, aber doch ganz anders

Drachen sind mythische Geschöpfe und aus Fantasygeschichten kaum noch wegzudenken. Es gibt nicht eine große Saga, wo nicht mindestens ein drachenähnliches Geschöpf auftaucht. Als Leser fragt man sich mittlerweile, ob das Thema Drache im Fantasybereich nicht gänzlich ausgelutscht ist.

Denkst du, dachte sich wohl die Autorin Irmela Nau, und bringt mit ihrem Debütroman „Die Dracheninsel“ frischen Wind in eine spannende und abwechslungsreiche Drachenserie, die mit faszinierenden Charakteren und einer wendungsreichen Handlung punktet.

Aber fangen wir ganz von vorne an.

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Story, Handlungsbogen und Charakterentwicklung – Ein gelungener Spagat zwischen Klassik und Neuem

Die Geschichte besteht aus einem Dreiergespann aus klassischen Fantasyprotagonisten: Eine junge Frau, die sich ihrer Herkunft nicht sicher ist und sich auf die Suche nach ihrem Wurzeln begibt. Einem Drachen, verbannt durch einen Fluch auf eine einsamen Insel, den Jungfrauen zur Besänftigung vom nahegelegenen Dorf dargereicht werden.

Und ein junger, jedoch noch sehr arroganter „Held“, der bei seinem Vater in Ungnade gefallen ist, und der sich mit einer heldenhaften Tat rühmt. In diesem Punkt beginnt „Die Dracheninsel“ ganz klassisch. Und eigentlich dachte man, dass man sich die Handlung 1 zu 1 zusammenreimen kann: Drache entführt Frau, guter Held muss sie retten.

Weit gefehlt. Irmela Nau strickt ihren Handlungsbogen an einigen genretypischen Stelle in eine so ganz andere Richtung, dass die neu entstehenden Handlungsstränge unglaublich erfrischend wirken.

So treten die Wendungen sehr überraschend ein und die vermeintlich sehr stringente Handlung windet sich in mehreren Handlungssträngen, die dennoch sehr gut zueinanderpassen.

Ein ganz großes Plus ist das Zusammenspiel dieser drei Hauptprotagonisten. Irmela Nau gelingt es, die drei völlig unterschiedlichen Charaktere perfekt zusammenspielen zu lassen. Die lustigen Wortgefechte und Perspektivwechseln lassen die Charaktere sehr lebendig wirken, und mit dem Drachen Bryag haben wir wohl einen der charismatischsten Drachen seit langem in Fantasybereich gesehen. Da verzeihen wir auch, dass die Nebencharaktere eher blass wirken.

Ganz überrascht hat uns übrigens das relativ offene Ende, das den Auftakt zu einer Fortsetzung bildet.

Stil des Buches

In sprachlicher Hinsicht macht das Werk einen sehr guten Eindruck.

Der Schreibstil von Irmela Nau besticht durch prägnante Beschreibungen und eine genaue Darstellung des inneren Erlebens der Charaktere. Das Innenleben der Charaktere zu beschreiben, ist für das Ziel der Handlung, ohne Spoilern zu wollen, immens wichtig. Und dies ist Irmela Nau fulminant gelungen. Der Verlag hat sich bei der Gestaltung und Setzung des Buches sehr viel Mühe gegeben und ein professionelles Buch abgeliefert.

Besonders gefallen haben uns die erfrischenden Dialoge und Wortgefechte der Protagonisten. Es ist wirklich spaßig, die Konflikte der drei zu lesen, was uns das ein oder andere Schmunzeln und Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Das Lesen der Dialoge macht Spaß und bewirkt eine enge Verbundenheit mit den Charakteren, die einem ans Herz wachsen.

Fazit

Die Dracheninsel ist kein gewöhnlicher Fantasyroman. Dort wo klassische Handlungen vorhersehbar sind, weil man sie schon viel zu oft gelesen hat, nimmt „die Dracheninsel“ eine überraschende Wendung. Es ist ein Roman, der überrascht, uns zum Lachen bringt und uns auch mit der Frage zurücklässt, wie es mit den sympathischen Charakteren weitergeht. Zum Glück wissen wir bereits, dass die Autorin an einer Fortsetzung schreibt. So lange wir auf diese warten müssen, legen wir all unseren Lesern ihr Buch ans Herz.