Geschichte

Die Geschichte der Bibliotheken ist eng verwoben mit der Geschichte der Schrift. Als im 6. Jh. v. Chr. die assyrische Keilschrift aufkam, gingen die Könige dazu über, die beschriebenen Tontafeln, auf denen religiöse und literarische Texte festgehalten wurden, zu archivieren. Die Ninive-Bibliothek gilt heute unter Althistorikern als eine der ersten Bibliotheken, unter anderem auch, weil sie ein Ordnungssystem hatte, nach dem die Bücher sortiert wurden.

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Die alten Ägypter unterschieden mehrere Formen einer Bibliothek und unterteilten sie in Gottesbuch- oder Lebensbuchhäuser. In Gottesbuchhäuser wurden religiöse Schriften von den Priestern für den Kult und Rituale gesammelt. In Lebenshäusern wurden Papyri aller Art, bspw. aus dem literarischen und naturwissenschaftlichen Bereich, aufbewahrt. Die alten Ägypter unterschieden verschiedene Qualitätsstufen der Papyri, die schlechteste Qualität bezeichnete man mit dem Namen „emporitica“ und diente nicht als Schreibstoff, sondern als Verpackungsmaterial.

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Nach der Eroberung Ägyptens durch Alexander dem Großen wurde die Stadt Alexandria neugegründet und mit ihr entstand die nicht genau datierte Bibliothek von Alexandria, die berühmteste Bibliothek in der antiken Welt. Experten sind sich immer noch uneins über den Bestand der Bibliothek, was nicht verwunderlich erscheint, wenn man bedenkt, dass wir nicht mal genaue Zahlen darüber haben, wie viele Texte in der Antike verfasst worden waren. Man geht davon aus, dass nicht mal 1 % der antiken Quellen überliefert worden ist. Die Schätzungen über den Bestand schwanken und liegen zwischen 500.000 bis 700.000 Schriftrollen.

Im römischen Bürgerkrieg soll die Bibliothek beim Kampf zwischen Julius Caesar und Pompeius ausgebrannt sein. Jedoch scheiden sich auch, wie bei der Entstehung der Bibliothek, die Geister. Neuere Erkenntnisse gehen sogar davon aus, dass man die Bibliothek neu aufbaute und der Zeitpunkt ihrer Zerstörung somit wesentlich später lag, genau genommen im Jahre 272 n. Chr., als Kaiser Aurelian sie letztendlich vernichtete.

Kaiser Augustus war der Erste, der auch in Rom öffentliche Bibliotheken als Symbol der Weltmacht Roms errichtete. Die Bibliotheken hatten auch wie heute die Funktion, dass die Römer sich in ihnen bilden konnten. Falls man dem Lesen nicht mächtig war, gab es hier spezielle Vorleser (meistens gebildete Sklaven), die einem die Texte vortrugen.


Frühes Mittelalter

Im frühen Mittelalter konnten nur wenige Menschen lesen und schreiben. Auch die Oberschicht war nur geringfügig alphabetisiert. Mit der Entstehung der Kirche in Folge der Säkularisierung behielten diese das Monopol für Bildung und Schrift bei sich. Klosterbibliotheken entstanden aus zwei Vorschriften des Klosterlebens heraus, die auf den ersten Blick paradox anmuten:

Für Mönche sollten das Lesen und die Lesung neben den Gottesdienst einen hohen Stellenwert des kirchlichen Lebens besitzen. Auf der anderen Seite jedoch war den Mönchen jeglicher Privatbesitz, auch der von Büchern, untersagt. Aus dieser Zwangslage mussten die Klöster und Gotteshäuser für ihre Mönche Raum für Bücher schaffen. Bücher im klassischen Sinne gab es zu jener Zeit nicht. Die Schriften waren auf Pergament verfasst worden, die oft prunkvoll gefärbt und vergoldet waren. Ezra_Codex_Amiantinus

Häufig wurden hierbei Schriften unterschiedlicher Art zu Sammelschriften, sogenannten Codecs, zusammengefasst. Zunächst wurden die Codecs nicht wie in der üblichen Vorstellung in Regalen aufbewahrt, sondern in Kisten und Schränken. Prunkvolle Bibliotheken, die unserer Vorstellung vom Mittelalter nahekommen, gab es damals noch selten. Meistens bestand die Klosterbibliothek nur aus einem Raum, der neben den beschriebenen Aufbewahrungsmöglichkeiten auch Lesebänke besaß. Viele Klosterbibliotheken wiesen ein Ausleih- und Katalogisierungssystem auf, das sich allerdings unterschied. Um Bücher in einer Klosterbibliothek zu finden, bräuchte es damals schon fachkundiges Personal, die den Überblick über den Bestand behielten.

Ausleihen wurden meistens nur intern vergeben und in Katalogen eingetragen. Wegen des Werts der Bücher fand der Austausch nur selten und wenn dann nur an vertrauenswürdige Personen statt (bspw. Mönche eines verbrüderten Klosters). Üblich war hierbei die Hinterlegung eines Pfandes oder vom Wert her gleichwertigen Buches.

Hohes Mittelalter

Im christlichen Mittelalter wurde das Wissen der Geistlichen in den Klöstern aufbewahrt. Die Mönche hielten das Wissen aus der Antike und aus ihrer Zeit fest, indem sie in Skriptorien Handschriften für spätere Generationen herstellten.

Durch das Abschreiben veränderten sich die Handschriften über Generationen, da die Mönche einerseits selbst Fehler beim Abschreiben machten, andererseits aber auch durch Phänomene des Sprachwandels (auch Latein wandelte sich) ganze Textpassagen umformulierten.

Aus diesem Grund spricht man auch heute bei antiken und mittelalterlichen Werken von Rekonstruktionen, da hier mehrere Handschriften miteinander verglichen werden und eine „Urhandschrift“ rekonstruiert wird.

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Die Klöster hatten im Mittelalter prunkvolle Bibliotheken, allerdings bekamen diese durch die Entwicklung städtischer, weltlicher Bibliotheken Konkurrenz. Durch die Abspaltung der weltlichen von der geistlichen Welt etablierte sich, abseits der Kirche, eine wissenschaftliche Lehre an den gerade erst entstandenen Universitäten. Schulen und ihre Bibliotheken erhielten Einzug in die weltliche Lebenswelt und somit auch in den Städten.

Eine Revolution stellte zudem die Entwicklung des Buchdrucks Mitte des 15 Jahrhunderts dar, wodurch die Skriptorien nach und nach überflüssig wurden. Die Zahl der Bücher stieg wesentlich an, sodass neue Räumlichkeiten errichtet werden mussten. Viele Fürsten gründeten hierbei eigene Bibliotheken, die sie Interessierten und Gelehrten zur Verfügung stellten.

Die Entstehung des Buchdrucks

Die Erfindung des Buchdrucks hat ohne Zweifel zur immensen Verbreitung des Buches, so wie wir sie heute kennen, beigetragen. Nicht ohne Grund schreibt der der italienische Gelehrte Bonus Accursius um 1475:

„[Der Buchdruck] ist eine wahrhaft nutzbringende Kunst, denn Abschriften von Büchern zu verschaffen ist wegen der hohen Preise für jedermann nicht gerade leicht. Aber wenn dies Gott sei Dank für dich auch kein Hinderungsgrund ist, so musst doch auch du den Buchdruck wegen seiner künstlerischen Schönheit hochschätzen; und dann auch deshalb, weil dieser Buchdruck, sobald er einmal richtig feststeht, immer in derselben Weise durch alle Druckbogen fortschreitet, so dass ein Fehler kaum möglich ist, eine Sache, mit der es beim Abschreiben von Büchern ganz anders aussieht.“ [aus: Sauer, Michael (Hg.): Geschichte und Geschehen 2, Stuttgart u.a. 2009, S. 59.]

Auch der der Nürnberger Humanist Hartmann Schedel erkennt die Vorteile der neuen Drucktechnik und schreibt hierzu 1493 in seiner „Weltchronik“:

„Jetzt konnten viele treffliche und nützliche Bücher ohne große Kosten verbreitet werden. Wäre diese Kunst früher erfunden und in Gebrauch genommen worden, so wären ohne Zweifel viele Bücher des Livius, des Plinius und anderer hochgelehrter Leute nicht verloren gegangen.“ [Sauer, Michael (Hg.): Geschichte und Geschehen 2, Stuttgart u.a. 2009, S. 59.]

Vor der Erfindung des Buchdruckes hatten die Mönche in den Klöstern Bücher abgeschrieben. Privatabschriften dauerten ihre Zeit und waren entsprechend teuer. Der Goldschmied Johannes Gutenberg entwickelte das Verfahren des Buchdrucks, indem er Handschriften in Buchstaben, Satzzeichen und Abkürzungen einteilte. Durch das Verschmelzen der Buchstaben zu ganzen Sätzen konnten Standards für das Kopieren von Büchern eingeführt werden. Zunächst testete Gutenberg sein Verfahren, indem er Kleindrucke von bspw. Flugschriften oder Grammatiken anfertigte. 1452 begannen die Planungen zum ersten Druck der Bibel.

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Buchdrucker (Quelle Wikipedia)

Guttenberg wollte mit seinem Verfahren beweisen, dass seine Drucktechnik mit den Handschriften mithalten konnte. Durch die Tatsache, dass Bücher ursprünglich in einer Werkstatt hergestellt wurden, werden Bücher bis heute noch als Druckwerke bezeichnet. Durch die Entstehung des Buchdrucks entstand ein neuer Berufsstand, und zwar der des Setzers. Seine Aufgabe war es, die Arbeit des Schreibers zu übernehmen. Er setzte mit der Hand den Buchsatz, entschied über Schriftgrad, Zeilenbreite, Bündigkeit, Satzspiegel und Umbrüche. Diese Begriffe sind heute noch Topografen bekannt und sicherlich auch allen, die mal ein Dokument über ein Schreibprogramm eingerichtet haben.

Noch heute sind uns 48 Exemplare der Gutenberg-Bibel erhalten geblieben. Mit dem Buchdruck wurde auch der Siegeszug des Papiers eingeleitet. Nur wenige Gutenberg-Bibeln wurden noch auf Pergament gedruckt, da diese oftmals sehr aufwendig in der Herstellung waren. Für die meisten Druckbogen verwendete Guttenberg Papier verschiedenster Sorten.

18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert entstanden viele private und öffentliche Bibliotheken. Die Fähigkeit, Texte zu lesen, fand immer mehr Verbreitung. In den Dörfern waren Wanderbibliotheken unterwegs, um die Menschen mit der Lektüre von Texten zu erfreuen.

Auf Beschluss der Politik in Berlin wurden nach 1846 Volksbibliotheken errichtet, mit dem Ziel, Bücher für jedermann zugänglich zu machen. Auf diese Weise entstanden Bibliotheken, die einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung standen und somit heutigen Vorbildern sehr ähnelten: mit festen Öffnungszeiten und einem geschulten Personal. Allerdings unterlagen die Texte in diesen Volksbibliotheken in Preußen einer Zensur, da ordnungs- und staatsgefährdende Schriften aus ihnen verbannt wurden.

Nach der Revolution standen Texte im Vordergrund, die Glauben und Untertanentreue verfestigen sollten. In zahlreichen Städten entstanden Bibliotheken, die im Wesentlichen durch Vereine etabliert wurden. Ein wichtiger Etappensieg war hierbei auch die Entstehung des Vereins deutscher Bibliothekare im Jahre 1900.

Mit der Entstehung der Bibliotheken wuchs stetig das Angebot, wodurch auch die Nachfragen in den lesenden Bevölkerungsschichten anstiegen. Viele der kommunalen Bibliotheken boten kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr ihren Bestand zur Ausleihe an. Darunter waren nicht nur Werke aus der Belletristik und klassische Literatur, sondern auch vermehrt Sachbücher. Neben den kommunalen Bibliotheken entstanden im Wissenschaftsbetrieb auch Fachbibliotheken.