Bibliotheken Kretas

29 Grad ° im Schatten. Der Vergleich zum Hochsommer in Deutschland würde wahrscheinlich dazu führen, dass unsere Liebsten in der Heimat uns für solche Temperaturen nur belächeln würden. Doch die Luftfeuchtigkeit tut ihr Übriges. Wir entschieden uns an diesem sonnigen Tag für einen Ausflug und statteten der Bibliothek in Rethymno einen Besuch ab. Der Raum ist akklimatisiert, das Gebäude modern und neu. Studenten rennen uns entgegen. Bücher stehen in Reih und Glied in aneinandergereihten Regalen, die sich durch den Raum zogen. An den Sitz- und Arbeitsecken macht ein Student eine kurze Fiesta und genießt seinen Wachmacherkaffee. Stühle in einem Kreis angeordnet, der an einigen Stellen nicht mehr ganz geschlossen war, zeugen von einem aufgebrochenen Seminar.

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Moderne Computer-Terminals an den Arbeitstischen stellen das Equipment der ein oder anderen staatlich finanzierten Bibliothek in Deutschland in den Schatten. Ich gehe durch die Räumlichkeiten, an Bücherregalen vorbei und fand mich in einer Abteilung wieder, in denen Bücher in Umzugskartons gelagert wurden. Ich schmunzelte vor mich hin, da ich an die Zeit zurückdenke, als unsere Bib gerade noch in Planung war und wir dank der Bücherkartons nicht mal mehr in unser Wohnzimmer kamen (Lesen Sie hier den passenden Artikel hierzu).

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Man merkte, dass der frische Anstrich in der Bibliothek von Rethymno noch nicht lange zurückliegt und die Betreiber noch am Einrichten und Umräumen sind. Trotzdem lassen sich die Studenten nicht von dem ganzen Trubel stören. Als wir in den Eingangsbereich zurückkehren, sonnigen sich einige auf der Treppe, die zurück auf die Straße runter zum Stand führte. Der ein oder andere versunken in seinem Buch, während ein anderer genüsslich an seinem Kaffeebecher nippte und uns beim Rausgehen zuzwinkerte.

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Cut. Szenenwechsel. Ein anderer Tag, ein anderer Ort. Heute waren wir in Heraklion, der Hauptstadt Kretas. Nachdem Ausflug zum minoischen Palast Knossos, den wir geschichtsbegeisterten Lesern empfehlen können, gingen wir in der senkenden Mittagssonne durch die venezianisch angehauchte Altstadt. Vier Löwen spien in einem Kreis vereint auf ihrem steinernen Podest in den Morosini-Brunnen. Das Wasser plätschert. Lebhafte Stimmen hallten über den Platz. Spielende Kinder liefen lachend um den Brunnen. Die Eisdielen und Kaffees waren umsäumt von Menschen. Leider waren wir hier zu spät und konnten die moderne Bibliothek, die sich an diesem Platz befand, nicht besuchen. So genossen wir den Nachmittag bei einem milderen afrikanischen Südwestwind mit einem guten griechischen Kaffee und kretanischen Gebäck und ließen bei dem lebhaften Treiben die Seele baumeln.